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In our conversation, Bénédicte Savoy remarked, “She would never have had such success in France as she has had in Germany.” This statement hits the core of a fundamental problem: the public resonance of research depends less on historical evidence than on societal expectations. Germany, shaped by its confrontation with National Socialism, is more sensitive to narratives of moral reckoning; France, by contrast, operates in a cultural space where postcolonial critique is less firmly anchored in media and institutions.
Dan Hicks’ new book Every Monument Will Fall taps into this dynamic. Monuments, museums, and collections do not appear to him as neutral archives but as political dispositifs. Visibility of history is simultaneously a matter of choice and often of violence. Colonial objects, for Hicks, are not mere testimonies; they are material traces of expeditions, expropriation, and epistemic domination.
Criticism of his approach recalls the Historikerstreit of the 1980s: how can the past be morally evaluated without ignoring its historical contingency? Brigitta Hauser-Schäublin emphasized that the Benin Bronzes themselves were products of a colonial apparatus of violence—not only European but also of Benin origin. Her statement, “Blood clings to the Benin objects,” underscores that moral judgment and historical analysis cannot be separated.
Hicks measures the legitimacy of monuments against contemporary standards. This carries the risk of erasing the historical logic of the objects themselves. At the same time, the research of Savoy and Hauser-Schäublin shows that source communities define legitimacy differently: what appears as “restitution” in Berlin or London may be perceived in Lagos or Bamako as an epistemic imposition.
Every Monument Will Fall is thus less a definitive judgment on colonial history than a continuation of an ongoing debate. The present must not colonize the past; memory politics, moral expectations, and scholarly analysis remain in tension. Savoy’s early success in Germany demonstrated that research is always also a mirror of societal sensitivities—and that the Historikerstreit is not concluded, but continues in new forms.
Footnote
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A Benin Plaque, that shows the invasion of a vassal state.
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Every Monument Will Fall with Dr Dan Hicks. A chat about culture and memory
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Brigitta Hauser-Schäublin: «Blut klebt an den Benin-Bronzen» (NZZ vom 12.5.2023)
- Audio: Brigitta Hauser-Schäublin – „Von Schuld und Tätern“
„Every Monument Will Fall“ im Schatten des Historikerstreits
In unserem Gespräch bemerkte Bénédicte Savoy: „Sie hätte in Frankreich nie solch einen Erfolg gehabt wie gerade in Deutschland.“ Dieser Satz trifft den Kern eines grundlegenden Problems: Die öffentliche Resonanz von Forschung hängt weniger von historischen Belegen ab als von gesellschaftlichen Erwartungshaltungen. Deutschland, geprägt durch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, ist sensibler gegenüber Narrativen moralischer Abrechnung; Frankreich hingegen bewegt sich in einem kulturellen Raum, in dem postkoloniale Kritik weniger fest in Medien und Institutionen verankert ist.
Dan Hicks’ neues Buch Every Monument Will Fall greift diese Dynamik auf. Monumente, Museen und Sammlungen erscheinen ihm nicht als neutrale Archive, sondern als politische Dispositive. Sichtbarkeit von Geschichte ist zugleich eine Frage der Wahl und oft der Gewalt. Koloniale Objekte sind für Hicks nicht bloße Zeugnisse; sie sind materielle Spuren von Expeditionen, Enteignung und epistemischer Dominanz.
Kritik an seinem Ansatz erinnert an den Historikerstreit der 1980er Jahre: Wie kann die Vergangenheit moralisch bewertet werden, ohne ihre historische Kontingenz zu ignorieren? Brigitta Hauser-Schäublin betonte, dass die Benin-Bronzen selbst Produkte eines kolonialen Gewaltapparats seien – nicht nur europäischer, sondern auch beninischer Herkunft. Ihre Aussage „Blut klebt an den Benin-Objekten“ unterstreicht, dass moralisches Urteil und historische Analyse nicht voneinander getrennt werden können.
Hicks misst die Legitimität von Monumenten an gegenwärtigen Maßstäben. Dies birgt das Risiko, die historische Logik der Objekte selbst auszulöschen. Gleichzeitig zeigt die Forschung von Savoy und Hauser-Schäublin, dass Herkunftsgemeinschaften Legitimität anders definieren: Was in Berlin oder London als „Restitution“ erscheint, kann in Lagos oder Bamako als epistemische Aufdrängung wahrgenommen werden.
Every Monument Will Fall ist daher weniger ein abschließendes Urteil über die Kolonialgeschichte als die Fortsetzung einer laufenden Debatte. Die Gegenwart darf die Vergangenheit nicht kolonisieren; Erinnerungspolitik, moralische Erwartungen und wissenschaftliche Analyse stehen weiterhin in Spannung. Savoys früher Erfolg in Deutschland hat gezeigt, dass Forschung immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Sensibilitäten ist – und dass der Historikerstreit nicht abgeschlossen, sondern in neuen Formen fortbesteht.
Fußnote
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Eine Benin-Tafel, die die Invasion eines Vasallenstaates zeigt.
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Every Monument Will Fall mit Dr. Dan Hicks. Ein Gespräch über Kultur und Erinnerung.
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Brigitta Hauser-Schäublin: «Blut klebt an den Benin-Bronzen» (NZZ vom 12.5.2023)
- Audio: Brigitta Hauser-Schäublin – „Von Schuld und Tätern“